Zum Tod von Karin Powileit

von S. Hübner

Liebe Karin,
Du bist plötzlich und unerwartet von uns gegangen.
Du warst noch so voller Tatendrang, so voller Optimus, so der Zukunft zu gewandt, so dass wir mit Dir nicht über das gesprochen haben, was Du für uns getan hast. Wir haben mit Dir über Deine Ideen diskutiert, mit Hilfe der Architektur unsere verelendeten Städte wieder zu menschlichen Wohnquartieren zu machen.
Und da bist Du Dir über viele Jahrzehnte treu geblieben. Du hast dem Drang widerstanden, Architektur als ein Mittel einzusetzen, das Alte hinwegzufegen. Du hast der Versuchung widerstanden an Stelle des Alten, Leuchttürme modernen Wohnens und Arbeitens zu erschaffen, die selten ihren Zweck erfüllen, aber dafür den Namen des Architekten verewigen.
Du, liebe Karin, hast den Prozess des Erhaltens und Bewahrens als Berufung der Architektin gelebt.
Du hast uns geholfen, beim Kampf des kleinen Rheinpreußen gegen die übermächtigen Weißen Riesen, die menschliche Dimension in den Mittelpunkt zu stellen.
In Bezug auf die Größenverhältnisse und das soziale Miteinander.
Das Konzept, die Siedlung zur erhalten aber im selben Atemzug das Wohnen angenehmer zu machen, hast Du mit all Deiner Schaffenskraft umgesetzt.
Du hast nicht von oben herab gesagt, wie wir etwas machen müssen, Du hast uns mitgenommen auf dem langen, oft schwierigen Weg der Entscheidungsfindung. Du hast erklärt, vermittelt und neue Ideen ins Spiel gebracht.
Bestimmt warst Du oft verzweifelt, wegen der Sturheit der Genossen,
bestimmt bist oft spät in der Nacht – nach endlos langen Sitzungen – nachhause gefahren und hast Dich gefragt, warum Du Dir diesen Tort eigentlich antust.
Und wenn Du jetzt noch die Gelegenheit hast, einen Blick auf die Rheinpreußensiedlung zu werfen, wirst Du sehen, dass es Dir gelungen ist, eine Brücke zu schlagen – Eine Brücke vom frühen 20. Jahrhundert in das 21.
Die Menschen in Rheinpreußen leben nun in einer grünen Oase, in bezahlbaren, selbstverwalteten Wohnungen. Sie können den Komfort der Moderne genießen. Aber bei jedem Blick aus dem Fenster, bei jedem Gang auf die Straße, erleben Sie die Geschichte, die Kontinuität und die Veränderung.
Und alles in einem sozialen Miteinander, dass auf mehr als hundert Jahre Integration und Solidarität von Bergleuten aus vielen verschieden Nationen beruht.
Und an dieser Stelle sagen wir Danke, liebe Karin. Und wenn wir durch die Siedlung gehen, werden wir die Häuser leise lächeln sehen, denn sie wissen, dass sie die Kraft für die nächsten hundert Jahre, deinem Willen zur Erhaltung und Bewahrung verdanken.

Bewohner der Rheinpreußensiedlung und
die Wohnungsgenossenschaft Rheinpreußensiedlung e.G.